AMSTERDAM IM SCHNELLDURCHLAUF

Verliebt in New York? Keine Zeit für die lange Reise? Ein Städtetrip nach Amsterdam hat mich zur weiteren Erkundung europäischer Metropolen bekehrt.

Man beachte folgende Umstände: Hitzewelle über weiten Teilen Mitteleuropas (=auch Züri), Wanderlust, NYC-Fan und keine Zeit, so lange zu fliegen und am Ende noch mit dem Jetlag zu kämpfen. Wohin verschlägt’s einen dann? Meine Wahl fiel auf drei Tage Amsterdam – die Temperaturen schienen kühler und ich wollte mal wieder eine unbekannte Stadt ergründen. Hier ist mein Steckbrief:

Wetter

Ende August lagen die Temperaturen zwischen für mich idealen 20 und 27 Grad. Für Anfänger wäre noch erwähnenswert, dass sich in Amsterdam jederzeit mal eben ein gefühlter Kübel Regenwasser über einen ausleert. Insofern packt unbedingt eine Regenjacke ein, dann muss die Lederjacke nicht zwei Tage lang trocknen…

City

Spätestens wenn man die Altstadt erkundet, weiss man, weshalb New York mal New Amsterdam hiess. Die Architektur versetzt einen sofort nach SoHo oder ins Greenwich Village – nur mit mehr Velos. Dem etwas verwöhnten Schweizer Fussgänger, für den jedes Auto sofort eine Vollbremsung hinlegt, sei zur Vorsicht geraten: Velos bremsen nicht, Trams genauso wenig. Und Autos gibt es kaum, da sie wiederum von den Velos verdrängt werden. Nicht nur aufgrund des Automangels in der Altstadt trägt Amsterdam völlig zurecht den Beinamen „Venedig des Nordens“. Die vielen Grachten geben der Stadt ein sehr romantisches Flair, das auch nachts zu einem ausgedehnten Spaziergang einlädt.

Unterkunft

Im Juli 2015 hat das Hoxton in Amsterdam seine Pforten eröffnet. Mitten in der Altstadt gelegen, ist es der ideale Ausgangspunkt für Erkundungen vieler Sehenswürdigkeiten. Cooles Design, ein tolles Restaurant (Lotti’s) mit den besten Pommes Frites EVER, Free WiFi und täglich eine Stunde internationale Anrufe (wobei die Verbindung in die Schweiz nicht immer funktioniert hat) und das Frühstück, das einem jeden Morgen in einer Papiertüte vors Zimmer gehängt wird, machen das Hoxton zu einem tollen Basislager. Auch die Locals strömen in Scharen in die Lobby/Lounge/Bar – immer ein gutes Zeichen.

Essen und Trinken

Unabhängig von den an dieser Stelle nochmal zu erwähnenden Pommes Frites bietet Amsterdam nach eigenen Angaben wenig kulinarischen Genuss – bis auf die heimischen Pfannkuchen und Waffeln sowie indonesische Spezialitäten (die wohl aus Kolonialzeiten stammen). An dieser Stelle sei auf meine Favoriten verwiesen:

 The Pancake Bakery

Hier hatte ich meinen ersten Zwiebel-/Speck-Pfannkuchen, den mir ein Einheimischer mit einer Unmenge Melasse „versüsste“ – wie man das so macht als echter Holländer. Ich muss zugeben, dass ich weder vom Speck noch von den Zwiebeln viel geschmeckt habe. 100ml weniger Melasse hätten vermutlich auch gereicht, aber der Pfannkuchen war sehr fein.

Tales & Spirits

Wer noch spät zu Abend essen möchte, ist hier gut beraten, da die Küche bis 1 Uhr nachts die leckersten asiatischen Snacks zubereitet. Zusätzlich ist die Auswahl an Cocktails beachtlich und der Service top. Für den einen oder anderen ist vermutlich auch die Lage ein Grund zum Besuch. Gleich daneben befindet sich nämlich ein Haus mit verdächtig roten Lichtern und spärlich bekleideten Damen im Fenster… Willkommen in Amsterdam!

‚t Smalle

Ein wahrliches Kleinod von einer Eck-Kneipe. Wenn man hier sein Frühstück isst, kann man entweder direkt an einer der Grachten sitzen oder im Inneren, welches an eine englische Bar mit Kirchenfenstern erinnert.

Sehenswürdigkeiten

Kanalrundfahrt

Direkt beim Hauptbahnhof starten die Kanalrundfahrten. Wenn die Sonne gerade scheint (man weiss ja nie), sollte man sich schleunigst in eins der Boote setzen und die Stadt für mindestens eine Stunde auf dem Wasser erkunden.

Rijksmuseum

Für das Rijksmuseum, das meistbesuchte Museum der Niederlande, sollte man sich mindestens einen halben Tag Zeit nehmen. Auch für Kulturbanausen bietet die grosse Sammlung an Rembrandts (z.B. „Die Nachtwache“), Vermeers, van Goghs etc. einen Augenschmaus. Ausserhalb des Gebäudes befindet sich auch das Iamsterdam-Zeichen, welches ich leider nicht ohne belagernde Touris vor die Linse bekommen habe.

Sexmuseum und Rotlichtviertel

Prüderei beiseite – wer Amsterdam besucht, muss sich auch mit dem ältesten Gewerbe der Welt auseinandersetzen. Nicht nur als Paradedestination für den Junggesellenabschied (ich wusste gar nicht, dass noch so viel geheiratet wird – an jeder Ecke findet man entsprechende Gruppierungen), sondern auch für den kulturell interessierten Besucher empfiehlt sich zum Aufwärmen ein Abstecher in das nahe dem Hauptbahnhof gelegenen Sexmuseum. Mehr als eine Stunde braucht man dafür nicht einplanen. Am Abend darf sich auch Frau durchaus ins Rotlichtviertel wagen. Neben den bekannten Attraktionen (leicht bekleidete Damen im Fenster, Sexshops etc.) findet man – ähnlich wie in der Zürcher Langstrasse – leckeres Street Food.

People

Zu guter Letzt möchte ich an dieser Stelle noch ein Kompliment an die Locals machen. Jeder ist ausgesprochen hilfsbereit, nett und gibt einem Touri sofort und ungefragt Tipps zu guten Restaurants oder Sehenswürdigkeiten wie Märkten oder Parks in der Nähe. Englisch spricht sowieso jeder und auch als Besucher kommt man überall sofort in ein nettes und unverbindliches Gespräch.

Fazit

Es gibt viel mehr zu sehen, als ich auf nur drei Tage abdecken konnte. Da wären die Windmühlen, Velofahrten (vorheriges Geschwindigkeitstraining jenseits der 50 km/h vorausgesetzt), mehr Museen, Restaurants, Galerien, der Strand von Den Haag usw. Aber das werde ich wohl beim nächsten Mal erkunden.

2018-01-19T22:20:07+00:00